Lebensfragen - Menschen im Gespräch mit Bischof Kohlgraf und Anja Schneider #45
Shownotes
Er ist als Musiker der Band „Element of Crime“ und hat mit seinem Roman „Herr Lehmann“ ein großes Lesepublikum erreicht: der Schriftsteller und Musiker Sven Regener. Als Mainzer Stadtschreiber des Jahres 2026 ist er Gast der 45. Ausgabe des Podcast „Lebensfragen“ aus dem Bistum Mainz. Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf und die Journalistin Anja Schneider sprechen mit ihm über Musik und Humor und wie beides neue Perspektiven auf das Leben eröffnet.
Hinweise zu dieser Folge
Koordination & Redaktion: Annette Wiesheu / Marita Liebermann Schnitt & Produktion: narrato media
Der Podcast "Lebensfragen" ist Teil des Programms der Akademie des Bistums Mainz)
Transkript anzeigen
00:00:02: Hallo und willkommen zum Podcast Lebensfragen.
00:00:13: Auch von mir herzlich Willkommen!
00:00:14: Wer in diesen Zeiten sagt, heute gibt's nichts mehr zu lachen, der könnte sich mit Sven Regener befassen – die deutsche Musik, die deutsche Literatur ohne Sven Regena mit seiner Melancholie und seinem Humor undenkbar?
00:00:27: Die Band Element of Crime ist seit mehr als vierzig Jahren erfolgreich und regnet das.
00:00:32: Romane rund um die Figur Frank Lehmann, sind Kult.
00:00:35: Im
00:00:36: September neu erschienen der Roman Frankie & Freddy.
00:00:40: Hallo Sven Regener!
00:00:41: Ja
00:00:41: sehr wuchs und grüß Gott.
00:00:43: Wir
00:00:43: sitzen hier in Mainz bei Sammeln auch weil sie in diesem Jahr Mainzer Stadtschreiber sind.
00:00:49: mit dieser Auszeichnung steht ihnen hier auch eine Wohnung zur Verfügung.
00:00:53: Sie haben ja schon gewohnt?
00:00:55: Ja ein paar Tage.
00:00:56: ich habe aber von vorne auch klar gemacht, dass ich hier nicht dauerhaft wohnen werde.
00:01:00: Also ich habe ja noch ein richtiges Leben in einer anderen Stadt.
00:01:04: In Berlin meistens?
00:01:06: Zum Beispiel
00:01:06: ja!
00:01:07: Was haben Sven Regner und der Mainzer-Bischof Peter Kohlgraf gemeinsam?
00:01:11: Einiges.
00:01:12: zum Beispiel spielen beide mit großer Leidenschaft Blasmusik Herr Regener wie strickt?
00:01:18: üben Sie heutzutage noch Trompete?
00:01:20: Eigentlich jeden Tag, naja das ist die Trompete ist ein Instrument für.
00:01:24: Man braucht Muskeln, diese Regenmuskeln um den Mund herum und so.
00:01:30: die müssen einfach trainiert sein.
00:01:32: Sonst geht der Ansatz zu Schatten.
00:01:33: das ist ebenso.
00:01:34: Sie
00:01:35: sagen über sich selbst sie seien schüchtern
00:01:37: spielen
00:01:37: aber ein Instrument mit fanfarenartigem Klang.
00:01:41: wie passt das zusammen?
00:01:43: Ja gerade drum.
00:01:43: also wenn man sonst ja ich muss auch sagen Ich habe einfach als Kind schon ich hab Trompeten immer geliebt.
00:01:52: Es gab zwei wesentliche Trigger-Almas, dass mein Vater war großer Louis Armstrong.
00:01:56: Fanhörte das dauernd und ich fand das Instrument einfach so toll, so schön!
00:01:59: Und dann war es auch so, dass eine Tante von mir, eine Patentante hat er relativ wohlhabend und die fuhr zu Olympiade nach Mexiko.
00:02:09: Das müsste da im Jahr... und brach den Platten zurück mit mexikanischer Musik, wo ihr auch die Trompete in eine große Rolle spielt.
00:02:17: Und dann war ich dann voll ins von Sorken weil ich das so toll fand.
00:02:21: Ich habe dann getargellern mit zehn und hab dann aber mit fünfzehn wollte ich auch Trompeten spielen.
00:02:26: Ich hab mir selber Geld zusammengespart für ne Trompette.
00:02:29: Ja, ich hab' auch die Nachbarn genervt!
00:02:31: Aber meines Wissens ist so, dass Sie heute ... Sie wohnen ja auf dem Prenzler Berg.
00:02:35: Wenn ich mich recht entsinne?
00:02:37: Da haben sie sich eine Übekabine eingebaut oder?
00:02:40: Einwohlen lassen.
00:02:40: Ja genau da gehe ich dann rein.
00:02:41: Das schätze mal sind ungefähr zwei Quadratmeter Fläche und spiele Trompete.
00:02:47: Und der einzige, der würde nicht viel davon halt bitten, aber das ist doch extrem viel!
00:02:51: Also die ist natürlich nach innen auch noch einmal gedämmt, aber es ist schon dann auch sehr laut hier.
00:02:57: Was Blasinstrumente betrifft, spielen Sie?
00:03:00: Herr Bischoff-Klarinette und Saxophon.
00:03:02: Auch da gilt ja leise üben geht kaum!
00:03:06: Wann ist das Spielen für Sie zur Mutprobe geworden?
00:03:09: Also als Kind glaube ich ging es meiner Nachbarschaft ähnlich was die Klarinette angeht.
00:03:14: Ich habe halt mit gut zehn Jahren von meinem Onkel damals eine Klarinettengeschenk bekommen.
00:03:18: Das war eher so ein... so ein Pfeifall oder sowas.
00:03:21: Also irgendwie wirklich schön, am paar Jahre später habe ich mir dann eine wirklich gute auch gekauft.
00:03:26: Ich hab jetzt auch ne wirklich gute.
00:03:27: das ist schon Qualitätsunterschied.
00:03:29: Ich lebe halt jetzt sowohl was die Blasmusik angeht als auch das Klavierspiel, was ich ja auch tue.
00:03:35: Irgendwie in der Illusion bei Bischof wird sich schon niemand beschweren.
00:03:39: Das hat sich bisher auch noch niemand beschwert.
00:03:41: also wenn ich nachts nach Hause komme, habe ich den Eindruck, ich lebe hier alleine in diesem Hausbüro sind da nicht mehr besetzt.
00:03:46: Ich störe niemandem.
00:03:47: Also bisher hat es noch keiner gesagt.
00:03:49: Vielleicht traut sich jetzt jemand aus der Deckung und sagt, also bitte nicht mehr nach elf oder zwölf Uhr.
00:03:54: Aber so eine Übekabine habe ich natürlich
00:03:55: nicht.".
00:03:56: Mein größtes Problem war nicht dass die anderen dann immer hören wo ich gerade stehe auf dem Instrument ja?
00:04:01: Also wo ich mich noch verspiele, was ich kann und was ich nicht kann!
00:04:06: Und das ist bei mir eigentlich einfach zu viel intime Preisgabe im Größermassen.
00:04:11: Problem, natürlich kann man Trompete auch mit dem Dämpfer spielen.
00:04:14: Also mit diesem Barber-Dämpfe, den man von Miles Davis zum Beispiel kennt, dann hört man das Korb und das mache ich z.B.
00:04:21: hier aber nicht jetzt hier bin.
00:04:22: Ich habe zwar hin in meiner Stadtschreiber Wohnung, der hat... Der hört dann auch keiner was!
00:04:26: Also man müsste, auch ich müsste an den Blasseninstrumenten mehr machen.
00:04:29: Auch da es hat sich noch niemand über das Spiel beschwert.
00:04:31: Es hat auch noch niemand veröffentlicht.
00:04:33: Mein Gott der spielt richtig schlecht.
00:04:34: also das hat sich auch noch nicht getraut.
00:04:37: Das gehört
00:04:37: sicher auch nicht.
00:04:38: so ein unfreundlicher Akt.
00:04:39: aber welwas für einen Sachsefonds spielen Sie denn?
00:04:42: Ich hab Tenor und Alt.
00:04:45: Eine weitere Gemeinsamkeit von Ihnen beiden.
00:04:48: Sie lieben beide Lieder, Herr Regner!
00:04:50: Sie haben mal in einem Interview unterschieden zwischen Liebeslied und Geistlichenlied und haben gesagt fürs Liebenslied hätten sie durchaus Talent für das geistliche Lied nicht.
00:05:00: Sie haben mir verraten, Sie sind angetan vom evangelischen Gesangbuch.
00:05:05: Warum?
00:05:06: Na ja weil es eine starke Leistung ist.
00:05:07: man geht da in die Kirche nützliches Gesang Buch kann das aufschlagen und da sind alles voller Lieder Und die sind ja auch alle gar nicht, gar nicht so schlecht.
00:05:15: Die sind gut.
00:05:15: und was ich auch mag ist wie das mit der Orgel dann wieder eingeleitet wird und dann geht man sowieso ... und dann gibt es diese Pause und dann fangen die alle an zu singen.
00:05:23: Das ist schon stark!
00:05:24: Also ich bin selten in dem Gottesdienst.
00:05:28: Und leide, aber nicht dann dauernd auch darunter.
00:05:30: der Qualität des Gemeindegesangs muss ich sagen.
00:05:33: Das ist nicht mehr so wie das von früher noch kannte als ich klein war in der neuen Pfarr wo ich aufgewachsen bin.
00:05:38: Da war am Ende der Straße, am Wende haben wir die Christuskirche.
00:05:41: Im Bremen.
00:05:42: Die Christusgemeinde genau und das war schon ein anderer Sound wenn sie damals gesungen haben.
00:05:49: Natürlich sind die Kirchen nicht mehr voll Der ganze Klangkörper ist ein bisschen dünner.
00:05:54: Man hat natürlich auch Angst aufzufallen.
00:05:57: Das klingt auch von der jeweiligen Gemeindeart, wie die Arbeit mit Körnern ist, die man dann einsetzt und die man da einbezieht.
00:06:04: Auch was ich als Kind viel kannte, Gemeindearbeit in Sachen musikalische Ausbildung also dass man Instrumente dann auch in der Kirche spielt.
00:06:12: Dass es so ein kleines Orchester gibt oder sowas das ist schon wichtig.
00:06:16: Aber es ist tatsächlich so.
00:06:17: über die kirchischen Musik haben wir auch selbst in Regionen, wo sonst relativ wenig Möglichkeiten sind über die Kirchenmusik erreichen.
00:06:25: Wir tatsächlich auch noch viele Menschen?
00:06:27: Das ist schon eine Chance!
00:06:28: Sie singen viele Liebeslieder.
00:06:31: In der Wahlheimat Beldin Die Band Element of Crime gegründet.
00:06:35: Wo kommen sie auf die vielen Ideen für die Songs?
00:06:38: vielleicht unterwegs in den U-Bahn?
00:06:40: Nein, ich mache mir auch Kaninotizen.
00:06:42: Ich mach mich auch nicht im Vorfeld irgendwelche Sachen zurecht.
00:06:46: Wir müssen sich das so vorstellen dass wir ja bei Element of Crime immer zuerst die Musik machen und ihr Text wird danach gemacht.
00:06:52: Das ist in Rock'n'Roll ein relativ normales Verfahren über den Beatles und sowas nicht groß anders oder bei Bob Dylan auch.
00:07:00: Sieht man diesen Film?
00:07:01: Das heißt die Musik inspiriert die Texte.
00:07:04: Schwere See, schwere See!
00:07:05: Ja, es hat einen Klang Über dieses Ding, schwere See vielleicht auch auf andere.
00:07:12: Was ist denn da los?
00:07:13: Warum sagt ihr das denn?
00:07:14: Warum würde jemand in diesem Moment Schwere See und so weiter singen?
00:07:18: Ja warum würde das jemand tun?
00:07:20: was ist da passiert?
00:07:21: Und so kann man noch die Texte.
00:07:22: würden Sie sagen wenn sie jetzt zum Beispiel eine Predigt entwerfen hat ne Predigt auch ein Rhythmus?
00:07:28: Nein also würde ich sagen nicht.
00:07:31: und dennoch soll es eine einfache Sprache sein.
00:07:35: kurze Sätze zum Beispiel also schon.
00:07:37: Man kann ja sehr lange Sätze bilden, die sind für Predigten aber wenig hilfreich.
00:07:40: Also auch da denkt man eher in kurzen Rhythmen mit klaren
00:07:43: Aussagen.".
00:07:44: Und man kann das mehr oder weniger einsetzen.
00:07:50: Je mehr man das tut, desto suggestiver und desto manipulativer hat es natürlich auch werden.
00:07:56: Also die Rhetorik hat ja viel genau mit diesen Dingen zu tun nicht umsonst schon eine antike Kunst.
00:08:01: Sie vergessen sie nicht.
00:08:02: zum Beispiel Predigten in amerikanischen Freikirchen gerade in den Schwarzen Gemeinden sind unglaublich, rhetorisch, unglaublich wild sehr rhythmisch, sehr musikalisch.
00:08:12: Sehr viele auch mit repetitiven Elementen auch die dann natürlich übergehen in Gospelgesang.
00:08:20: Man kann das, da gibt es glaube ich alle möglichen Abstufen.
00:08:23: Ich bin ja evangelisch getauft.
00:08:24: also was ich an Predigten erlebt habe war eher auch nicht so etwas wo man sagt wir machen hier trocken Brot und Butter im besten Falle und der Rest kommt später mit dem Gesangbuch Freunde.
00:08:38: aber ich verstehe das gut dass man sagt zum Beispiel man möchte eigentlich eher vielleicht zum Beispiel wenn man mehr an den Verstand appellieren will verstehen sozusagen das Inhalts dieser Predigt, dann sollte man gucken, dass man ein bisschen wahrscheinlich zurückschraubt mit den musikalischen Mitteln.
00:08:54: Weil die natürlich sehr stark wie Musik überhaupt ans Gefühl
00:08:58: appellieren.".
00:08:59: Es gibt ja einen Buch von Hans Küngen etwa der mal darüber geschrieben hat... ... welchen manipulativen Charakter auch Gerschen Musik haben kann.
00:09:06: Also
00:09:07: er beschreibt
00:09:07: zum Beispiel auch Tillmann Moser, der Psychologe unserer Psychiater hat auch mal davon gesprochen wie er sich als Kind... Sie haben über den tollen Gemeindegesang gesprochen,... Wie er sich gerade in diesem Gemeindegesang als Individuum verraten gefühlt hat.
00:09:20: also er ging auf in so einer Masse und das gibt's ja bei Musik auch.
00:09:28: Und da ist halt die Kunst glaube ich bei guter geistlicher Musik dass es ja immer auch noch um das individuelle Bekenntnis eines Menschen geht und nicht nur um das Aufgehen in einer militärischen Marschmusik.
00:09:39: Klar, Musik kann sehr manipulativ sein.
00:09:42: Ich habe ein Problem zum Beispiel mit politischer Musik also diese ewige Frage die man immer wieder bekommt gerade in Deutschland weil hier viele Leute so einen kunstfeindlichen Grundton da reinbringen, indem sie immer sagen, wofür ist denn das eigentlich gut?
00:09:57: Was du da machst.
00:09:59: Zum Beispiel warum machst du nicht mehr politische Lieder oder so.
00:10:03: Weil ich der Mann und bin, dass die Verbindung von Gefühl und Politik eigentlich die Grundbedingung von Populismus ist und dass man im Grunde genommen mit diesen manipulativen Mitteln der Musik, die aufs Gefühl geht genau das macht was ich nicht für richtigheit in der Politik nämlich, dass man nämlich anti-aufklärisch wirkt.
00:10:20: Dass man Leute beim Gefühl über Gefühle kann man nicht diskutieren Ja, das ist nämlich das Perfide daran.
00:10:26: Und wenn man aber nicht diskutieren kann in der Politik, dann hat man ein Problem.
00:10:30: Dann läuft es eigentlich immer auf was Autoritäres hinaus und deshalb bin ich kein Freund davon.
00:10:35: oder abgesehen oder auch ganz stumpf gesagt... Ich habe überhaupt keine Lust den Leuten zu singen, was sie denken sollen.
00:10:40: Das finde ich unangebracht zumal es so eine One-Way Geschichte ist.
00:10:44: Es geht ja von mir zu denen.
00:10:46: Ich hab ja das Mikrofon.
00:10:48: Das find' ich überhaupt nicht attraktiv.
00:10:50: Das sollte man nicht tun!
00:10:52: Lassen Sie uns zumindest mal auf wenigstens eines Ihrer Lieder gucken, eines Ihrer Liebeslider.
00:10:58: Sie verschränken in Ihren Liedern oft so alltägliche Momente mit tiefen Gefühlen zum Beispiel im bekannten Song von Element of Crime.
00:11:06: am Ende denke ich immer nur an dich.
00:11:08: da verweben sie eine slapstickartige Szene auf dem Spielplatz als äußere Handlung mit einem inneren Monolog um sehnsuchtsvolle Liebe und Es gibt so viele positive Reaktionen zu diesem Song im Netz.
00:11:24: Unter anderem habe ich gelesen, das beste Lied wenn man um einen lieben verstorbenen Menschen trauert.
00:11:31: Welche Rückmeldung von Fans auf ihre Lieder bewegt sie besonders?
00:11:36: Ich besessen mich lieber eigentlich nicht aus!
00:11:43: Wenn man es einfach merkt du das gehört auch mittlerweile einfach dazu... Promo-Arbeit, die man als Musiker auch macht und um die Leute zu informieren.
00:11:51: Aber auch ein bisschen Spaß zu haben an Instagram oder Facebook.
00:11:54: Ich lese nie die Kommentare!
00:11:56: Ich kann das nicht, ich kann damit nicht umgehen.
00:11:58: Da sind so viele Leute... Das werden sich vorwähren... Hast du mal noch physische Tonträger verkauft?
00:12:03: Wir waren ja in der Liga, wo man goldene Scheitblatt mit ca.
00:12:05: hunderttausend Platten verkauft Und jetzt sollte man sich von diesen ganzen Leuten das aufnehmen, was man da bei ihnen bewegt.
00:12:13: Das kann ich gar nicht.
00:12:14: Was ich aber sehe ist dieses Lied zum Beispiel sehr beliebt und die Leute singen es viel mit.
00:12:21: Ich bin sicher dass es sehr viele Leute mit sehr unterschiedlichen Gründen gibt und einer kann auch so einer sein.
00:12:26: Aber wir wollen das nicht genau wissen.
00:12:29: nach dem Konzert unter den Leuten gehen, das kann ich nicht!
00:12:33: Am Ende ist es so, dass man das ja weggibt.
00:12:36: Sie geben die Kunst weg und die Menschen machen damit, was sie wollen.
00:12:39: Und das ist auch ihr gutes Recht!
00:12:41: Das ist wichtig.
00:12:42: Ich muss mir das nicht, ich bin dich nicht verpflichtet und Sie haben kein Recht darauf dass ich mir das anhöre, dass ich darauf eingehe, dass sich das nachbetreue.
00:12:50: Aber es ist ja gutes Rechner mit zu machen was sie wollen.
00:12:52: Dass die sagen, das ist aber scheißlich was ihr da singt oder diese Band kann ich überhaupt nicht ab?
00:12:56: Oder eben das ist für mich das größte... alle damit auch interpretieren wie sie wollen!
00:13:01: Es gibt keine richtige Interpretationen für ihn, dafür gibt's viel zu viele Möglichkeiten und viel zuviel Unbestimmtheitsstellen und damit muss man klarkommen.
00:13:09: Nun aus Melancholie und Humor.
00:13:14: Wie oft lachen Sie im Leben?
00:13:15: Nicht mehr als jeder andere, glaube ich.
00:13:17: Aber ich glaube Humor... Ich hatte mal so eine Gastprofessur.
00:13:22: Ich war zwei Tage lang Professor an der Kasseler Uni und nicht ein einziges Mal hat jemand zu mir Herr Professor gesagt.
00:13:29: Das war auch
00:13:31: okay, wir waren auch lächerlich gewesen.
00:13:33: Wir haben ein bisschen Hochstapelei gewesen bei so einem alten Studienabbrecher.
00:13:37: aber ich habe dann eine Vorlesung gehalten über Humor in der Literatur.
00:13:40: Und das diese Allig bewegte sich so Humor ins Kunst insgesamt.
00:13:43: und natürlich ist Humoren Mittel die Gefühle zu steuern.
00:13:47: Weil man letztendlich, also da bin ich Freudianer dann, wenn er sagt Humor ist Lustgewinn durch erspartem Gefühlsauffahrt.
00:13:54: Also dass man indem man über die Dinge Witze macht sie sozusagen den Gefühlsgehalt von sich wegschiebt für diesen Moment.
00:14:01: oder wie Henri Bergson sagt es gibt kein warmes Lachen Es ist kein Mitleid im Humor.
00:14:09: Oder wie ich das dann gesagt habe, es ist eine kalte Technik.
00:14:12: Insofern man sich davon gefühlen für einen Moment befreit und das ist sehr menschlich!
00:14:16: Das muss man manchmal tun Und ich glaube, in der Musik ist es so, dass das eigentlich im musikalischen Humor an sich gibt's gar nicht.
00:14:23: Weil Musik so direkt aufs Gefühl geht und so stark in diesem Gefühlsgehalt ist, dass sie da gar nicht... Sie können ... In der Musik alleine!
00:14:31: Sie können einen Text machen, der was humor.
00:14:32: Und selbst der kommt dagegen nicht an.
00:14:35: Alle Songs von Edmund of Crime gehen irgendwie als melancholisch und traurig.
00:14:39: Da sind werden Witze gemacht und so nützt gar nichts in dem Text sondern die Musik ist einfach stärker.
00:14:48: Weil die Bücher, das ist umgekehrt.
00:14:50: Die gelten das lustig, obwohl sie sehr oft melancholischen Unterton haben oder eine traurige Geschichte erzählt.
00:14:55: Jemand kommt am Ende in die Klappsmüle.
00:14:57: Das ist ja nicht gerade lustig oder so.
00:14:59: Aber trotzdem erinnern sich Leute eher an den lustigen Teil der Sache.
00:15:05: Da ist in der Sprache also anders?
00:15:07: Wer das ein bisschen nachlesen will, Sie haben dazu auch das Buch veröffentlicht zwischen Depression und Witzelsuchtumor in der Literatur.
00:15:16: Herr Bischof ... Was ist denn aus Ihrer Sicht die Funktion von Humor?
00:15:21: Warum ist Ihnen Humor wichtig?
00:15:24: Das ist natürlich auch ein bisschen das naturell, dass der liebe Gott einem geschenkt hat.
00:15:30: Also man sagt mir schon nach, dass ich einen gewissen trockenen Humor habe.
00:15:34: hier im Haus wird auch mit den engsten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern viel gelacht.
00:15:38: Das ist auch glaube ich wichtig weil wir manchmal auch sehr schwere Themen auf dem Tisch haben.
00:15:41: Wir lachen nicht in der Regel über die Menschen Die ist bewegt, aber wir müssen manches auch tatsächlich mit einer gewissen Leichtigkeit auch nehmen damit man bestimmte Dinge glaube ich auch gut bewältigen kann.
00:15:53: und es entspannt die Arbeitsatmosphäre.
00:15:55: Es entspannt auch so ein bisschen den Blick auf die Bedeutung meiner selbst.
00:16:00: also ob ich jetzt Professor oder Herr Bischoff oder Exzellenz oder sowas genannt werde.
00:16:09: Auch so was nehme ich mittlerweile mit einem gewissen Humor, wenn mich einer in der Stadt anspricht und sagt Exzellenz dann denke ich aha.
00:16:16: Sagt man heute eigentlich auch nicht mehr so richtig.
00:16:18: also Herr Bischoff oder so das ja aber... Also auch eine gewisse Distanz zu der
00:16:26: Wichtigkeit
00:16:26: die das Amt einem auch manchmal zuschreibt wo man denkt naja Am Ende lebe ich ja auch wie ein normaler Mensch.
00:16:31: Ich weiß auch, dass ich viel Verantwortung trage und dieser Verantwortung hoffentlich auch gerecht werde.
00:16:36: aber das kann man manchmal auch nur mit einer gewissen Distanz sich... ich denke auch manchmal es gab im Mittelalter diesen Streit hat Jesus gelacht.
00:16:45: da ging's natürlich eigentlich um die Frage war er wirklich mensch oder war das alles nur so bedeutungsschwer?
00:16:53: Es gab ja durchaus auch Theologen, die gesagt haben doch.
00:16:55: Also ohne Lachen kann man sich auch den Erlöser nicht vorstellen und ich stelle mir so vor wenn der mit seinen zwölf Jüngern durch das Land zog.
00:17:03: also dass sie da immer nur bedeutungsschwere Gespräche geführt haben.
00:17:07: Und man kann ja auch mit Humor also bedeutungsschwere Gesprächen führen.
00:17:10: aber also mir hilft's halt Ich muss halt in der Öffentlichkeit gucken, wo ist es angebracht?
00:17:16: Wo ist das nicht
00:17:16: angebracht?".
00:17:42: auf diese Ablegung an, wann ist das richtige?
00:17:44: Man nicht.
00:17:46: Bei Beerdigungen kann man das ja gut sehen bei Trauerfeiern.
00:17:50: Wenn sie da hinkommen und wenn es bevor das sozusagen abgeschlossene ist macht mal keine Witze in der Regel.
00:17:56: aber wenn danach sozusagen wenn's als Essen und Trinken geht mit allen zusammen dann werden eigentlich umso mehr Witze gemacht.
00:18:03: Wirzelscherze, Frotzelein
00:18:05: usw.,
00:18:06: alles bekommen in dem Moment um sich auch von diesem Gefühl wieder und sei es nur für den Moment dazu befreien.
00:18:13: Auch das gehört zu Trauerprozessen letztlich dazu, dass man trauern darf aber dem Ganzen auch diese Hoffnungslosigkeit damit nimmt weil irgendwo die Atmosphäre sich im Raum dann schon verändert.
00:18:27: also ich erlebe es auch im eigenen Freundeskreis wenn wir eben manchmal auch tatsächlich über vergangene Situationen lachen.
00:18:33: Das hätte man vielleicht am Tag der Beerdigung nicht gemacht, aber so mit Abstand von zwanzig dreißig Jahren kann man da manches auch noch mal ganz anders sehen und sich... Da gehört Humor dann auch hin.
00:18:42: Herr Regener Ihre Bücher rund um die bekannte Romanfigur Frank Lehmann sind ja ohne Humor nicht vorstellbar.
00:18:50: Ihr aktuelles Buch Frankie & Freddy spielt im Jahr in West-Berlin.
00:18:55: Wir erleben die Figur Frank Leman-Frankie diesmal zusammen mit seinem Bruder Freddie.
00:19:01: Brüder sind gebürtige Bremer wie sie selbst.
00:19:04: Der eine will im Berlin Kreuzberg Fuß fassen, der andere will weiterziehen nach New York.
00:19:08: Vieles ist in diesem Roman zu finden Verzweiflung die Liebe als Himmelsmacht und Situationskomik.
00:19:18: Ich habe beim Lesen immer wieder laut gelacht.
00:19:21: Warum gehört hier Humor notwendig dazu?
00:19:25: Ja weil ich glaube das Gerade.
00:19:28: nehmen wir dieses Buch.
00:19:29: In diesem Buch liegt so eine grundsätzliche Melancholie zugrunde, dass nämlich diese beiden Brüder wissen das sind ihre letzten Tage zusammen.
00:19:37: Dass sie im Grunde genommen sich von ihrem bisherigen Leben... verabschieden müssen.
00:19:41: Der eine ist zwanzig, der andere ist fünfundzwanzig.
00:19:43: Die haben beide ihre Eltern jetzt verlassen und sind in einer anderen Stadt gegangen.
00:19:47: Aber der große Boden geht auf einen anderen Kontinent.
00:19:49: Und wir reden über das Jahr Nineteinhalbundachtzig.
00:19:52: Das ist noch nicht mit Videotelefonie oder Internettelefonien und Bildtelefonee sondern das bedeutet wenn jemand nach Amerika ging dann war er weg.
00:20:02: Er schreibt vielleicht mal ein Brief.
00:20:04: Schon das Telefonieren war so teuer!
00:20:06: Das konnte man sich gar nicht leisten.
00:20:10: Diese Leute jedenfalls nicht.
00:20:11: Das heißt, man ist dann einfach weg.
00:20:14: Der wird aus dem Leben verschwinden und damit müssen sie irgendwie umgehen.
00:20:18: Zumal Frank Lehmann nach West Berlin gegangen ist und mal nicht von seinem Bruder sich raten zu holen nur, wenn in einer sehr disolaten Situation diesen Medikamenten probandendig zu finden und erst einmal wochenlang warten zu müssen bis der überhaupt wieder ansprechbar ist.
00:20:32: Und daraus gibt es ja dieser eine Tag vor heiliger Abend an dem sie sozusagen das alles versuchen irgendwie klar zu bekommen, wenn Sie gleichzeitig noch irgendwie Kreuzung quer durch die Spassstadt marodieren müssen um diese verdammte Tasche zu finden von dem großen Bruder.
00:20:47: Und das ist schwierig genug.
00:20:50: und aber dass es vielleicht auch für Sie eine willkommen Ablegung weiß ich auf diese Weise immer nur auch stückweise das machen können.
00:20:57: Das gehört natürlich Humor dazu denn sonst ist das einfach... Sonst ist so ein Buch auch nur eine Jammerreihe und diese Typen sind nicht so, dass sie nicht in der Lage wären zwischendurch Spaß zu haben.
00:21:11: Aber das Entscheidende ist hier viel unfreivendiger Humor, glaube ich, in diesem Buch weil Sie einfach vor Situationen gestellt werden die einfach selten seltsam sind.
00:21:20: wenn man sich durchliest und sich mit Ihnen identifiziert dann merkt man, wenn man darüber lacht, dass man auch über sich selbst lacht.
00:21:27: Wenn man das nicht tut kann man natürlich immer mein Problem bei der Rezeption dass ich oft das Gefühl hatte, meine Figuren kommen da zu schlecht bei weg.
00:21:36: Als Taugenichtse oder irgendwelche Typen, die nur so rumhängen und so.
00:21:40: Das kann doch gar nicht sein!
00:21:41: Die arbeiten doch viel schwerer als wir alle anderen zusammen in den Jobs sind.
00:21:46: Und das auch noch unter prekierenden Verhältnissen.
00:21:47: Warum werden sie so denunziert?
00:21:49: Warum haben die ein niedriges Sozial-Prestig?
00:21:52: Ich habe gedacht, okay hab' ich Sie vielleicht zu sehr in Regen gestellt durch den Humor.
00:21:56: denn wie gesagt der Humor ist eine kalte Technik.
00:21:59: Er distanziert an unterm Ständenauszermann kann sich mit den Leuten identifizieren.
00:22:04: Dann weiß man, dass es auch um einen selbst geht.
00:22:06: und das ist eigentlich die Hoffnung bei so einem Buch.
00:22:09: Dass man was bei Aristoteles Jamon und Schauland heißt also, dass man sich sozusagen hineinfühlen kann in das, was dort passiert?
00:22:15: Und dadurch, wenn man dann lacht doch über sich selber lacht!
00:22:19: Sie können sich beim Roman schreiben Wünsche Erfüllen, Sehnsüchte erfüllen in ihren Figuren.
00:22:26: In dem was die Figuren erleben das kann ja auch unterbewusst geschehen dass sie da etwas hineinbringen in die Figur.
00:22:33: an welcher Stelle im aktuellen Roman Frankie und Freddy haben Sie genau das erfahren?
00:22:38: Ja es gibt nirgendwo diesem Buch eine stelle wo man die Finger drauf legen könnte.
00:22:43: dann sagen könntest Sven da hast du deine Autobiografie mit reingeschrieben.
00:22:48: Das ist nicht so tatsächlich.
00:22:50: Ich habe ein Bruder, ich hab eine große Schwester auch... Es sind ganz andere Familie.
00:22:54: Peter Handgerd, das glaube ich gesagt alles erzählen und nichts verraten.
00:22:59: Man erzielt eigentlich alles aus seinem Leben.
00:23:02: aber in der Form wurde es niemand sozusagen entschlüsseln kann und sagen kann.
00:23:05: Aber im Grunde haben wir erzählt man natürlich auch von sich selbst.
00:23:08: dann mache ich mir gar keine Illusiones.
00:23:10: Es ist kein Fantasierumarm.
00:23:11: Aber selbst da glaube ich, dass die Autoren dir sowas schreiben schreiben sie sich doch irgendwo Wo rein sind die Drachenprinzessinnen?
00:23:17: Wie viel ist von dem, was Sie schreiben, sei es jetzt predigt oder in anderer Form aus Ihrem eigenen Leben.
00:23:23: Oder schreiben sie vielleicht sogar Tagebuch?
00:23:25: Tagebuch schreibe ich nicht mehr.
00:23:27: Nein, ich schreiber eher Sachtexte.
00:23:28: Gut Predigten sind keine reinen Sachtexten.
00:23:30: Das hat auch sehr viel mit der Persönlichkeit natürlich zu tun.
00:23:33: Auch wenn's nicht immer so rüberkommt.
00:23:34: Manchmal sind ja auch Sachthemen, die man bespricht existenziell für einen wichtig.
00:23:38: Aber ich glaube, man muss gerade in der Predigkeit gucken, dass man eben fühlbedient, das ist jetzt meine Haltung dazu.
00:23:47: Sondern dass man hoffentlich schafft Menschen auch zum Nachdenken anzuregen und zu sagen ja da geh ich mal mit, es gibt auch manchmal Leute die steigen aus und dann merkt man wenn sie hinter die Predigt kommentieren dachte ich aha dann sind die nach der Minute zwei fünfzig oder so waren die weg.
00:24:01: uns sind irgendwann wieder reingekommen haben den Mittelteil verpasst ist aber auch nicht tragisch.
00:24:05: aber ich tauche natürlich nicht in so eine so eine völlige Parallelwelt auf aber ich hoffe auch in einer Welt die so sein oder die so isst.
00:24:14: Also ich entwickle auch keine Märchen-Fee-Phantasien, sondern es geht schon um Wirklichkeit.
00:24:21: Andere Sichtweisen auf Wirklichkeiten die ich beschreibe aber mit einer anderen Sprache in einem anderen Genre jetzt als der Roman.
00:24:28: Ist das eigentlich so Herr Regener?
00:24:30: Mit zunehmendem Alter kann ja auch sein dass man sich dann mehr Zeit zur Besinnung nimmt vielleicht auch sich mehr mit Religion beschäftigt.
00:24:40: Machen Sie das?
00:24:41: Mit den christlichen Religionen oder mit anderen Religionen?
00:24:44: Ich bin der christliche Religion immer schon beschäftigt.
00:24:46: Und im Alter natürlich klar, dass man zumindest das Gefühl an den Tod rankommt und auch die unausweichlicher fernere Nähe droht, desto mehr.
00:24:58: Gerade für so einen alten Agnostiker wie mich ist das natürlich auch eine Frage, wie man damit umgeht.
00:25:04: Ich fand es interessant dass der ... ich habe ein Interview mit einem Dalai Lama gelesen und er hat gesagt, er ist eigentlich nicht so froh wenn die Leute immer zum Buddhismus konvertieren weil er meint gerade, wenn sie dann alt werden, dann ist es eigentlich besser wenn Sie die Religion ihrer Kindheit wieder haben.
00:25:18: was sieht da eigentlich da?
00:25:19: sich geborgener fühlen und da besser mit klar kommen.
00:25:23: Und ich glaube, wenn es an Sterben geht, dass sie dann also eigentlich mit der ursprünglichen Religion klarkommen – das ist ja auch in vielen Dingen im Leben so.
00:25:34: Die Prägung der ersten zwanzig Lebensjahre oder so natürlich viel stärker sind als alles Spätere.
00:25:40: Für mich ist das durchaus immer ein Thema gewesen.
00:25:43: Auch weil er als Kind viel in einer Gemeinde war und so und so wie viele erlebt hat, das ist schon so.
00:25:48: Es gibt manchmal auch dieses Argument, also Kinder sollen nicht als Kinder getauft werden.
00:25:54: Sie sollen sich später entscheiden.
00:25:55: aber ich kann die mich ja nur für etwas entscheiden was ich auch kennen gelernt habe und wo ich dann wirklich eine bewusste Entscheidung treffe.
00:26:02: Und insofern glaube ich würde ich den Eltern sagen ihr nehmt ja den Kindern ohnehin jede Menge Entscheidungen auch vorweg und am Ende muss man sich als Erwachsener sowieso dazu selber positionieren.
00:26:11: das muss ich immer.
00:26:12: Ich meine, das ist einfach auch eine Form, dass ich hoffe, dass auch eine form des Glaubens praktiziert wird und den Menschen zur Verfügung gestellt wird.
00:26:23: Auch Kindern zur verfügen gestellt wird die Freiheit fördert und nicht Freiheit sozusagen beschneidet.
00:26:28: Das ist glaube ich die Grundvoraussetzung überhaupt wenn ich über Glauben nachdenke.
00:26:33: Herr Regener, Sie sind heute kein Mitglied der Kirche.
00:26:38: Könnte es aber doch passieren dass sie in eine Kirche reingehen und sagen Hallo Gott wenn es dich gibt bitte sei freundlich zu mir wenn's soweit ist?
00:26:48: Na so nicht ja!
00:26:51: Aber ich fühl mich dadurch aus verbunden.
00:26:53: also ich spende auch zum Beispiel in die Kirche Also bei uns, für den Erhalt gezähmen an die Kirche oder so.
00:27:01: Das ist schon wichtig weil letztendlich ist da egal wofür man das Geld gibt, weil es steht ja nicht drauf aber das ist halt wichtig dass man... Ich finde das gut ich finde es wichtig aber ich bin kein Mensch des tiefen Glaubens da ist man mir nicht so viel und deshalb muss sich sagen kann ich das auch brauche jetzt auch nicht so zu tun.
00:27:21: also aber ich habe getauft und ich bin mit achtzehn aus der kirche ausgetreten weil ich Kirchensteuer zahlen sollte.
00:27:30: Ich war damals E-Kommunist, also da ist man nicht so wahnsinnig scharf drauf, Kirchen Steuern zu zahlen.
00:27:36: Davon haben Sie sich mittlerweile distanziert von dieser Fauhrung?
00:27:39: Ja, aber das habe ich gar nicht stolz darauf.
00:27:42: Aber das war eben so und ich habe bis jetzt noch keinen Grund gesehen wieder einzutreten.
00:27:47: Ich bin nicht sicher.
00:27:49: Ich hab ja auch ein bisschen verfolgt was hier so machen.
00:27:52: Auch diese Diskussion über die Kirchenstein malieren, so ein Podcast.
00:27:55: ich persönlich glaube Das ist natürlich sehr schwierig für die Kirchen in Deutschland, weil sie nun da auch so daran gewöhnt sind.
00:28:04: Wäre wenn die Kirchenssteuer sozusagen wenn es die Kirche steuern nicht gäbe.
00:28:07: aber es gibt einen anderen Aspekt.
00:28:08: ja nicht uninteressant ist das vielleicht diese Austrittswellen und diese Schwelle Dieser ist, wenn ich in dem Moment, wo ich also eine Kirche eintrete, nämlich auch einem Steuerzwangssystem quasi unterwerfe.
00:28:20: Die ist auch problematisch.
00:28:21: das würde ich dabei nur zu Bedenken geben.
00:28:23: und ich verstehe durchaus dass man auch sagen kann selbst als den kirchenwohl gesonderen Mensch, dass es vielleicht gar nicht so gut ist.
00:28:30: Also dass man da so direkt miteinander verknüpft, dass er sehr stark machen muss sondern dass man an sich auch Geht ja auch bei anderen Institutionen oder Vereinen, dass man das auch freiwillig tun kann.
00:28:45: Aber das ist nur mal so dahingestellt.
00:28:49: Ich wüsste jetzt keinen speziellen Grund, warum ich ausgerechnet eintreten sollte.
00:28:52: Aber mein Sohn wollte sich tauffeln lassen mit zwölf und mit elf um den Dreh ... Und das war super.
00:29:02: Jetzt sind wir dann zu der Kirche gegangen und die haben gesagt, es ist okay wenn sie nicht in einer Kirche sind.
00:29:07: Hauptsache der so läßt sich, wenn er so ein Sich drauflässt umso besser.
00:29:10: aber wir brauchen wenigstens einen Paten, der in der Kirch ist sonst geht's nicht.
00:29:16: Da hatten wir Gott sei Dank jemanden.
00:29:17: Der hat sich auch sehr gefreut weil sein Vater war eine hohe Nummer in der evangelischen Kirche im Frankenland und deshalb war ja also ich fand das eher so als Mitz war gesehen dass er dann auch da als Partei, hat immer vergessen die Taufgärze zu besorgen.
00:29:35: Das sind Dinge, die passieren.
00:29:37: Lassen Sie mich gerade noch nachschieben, weil das eben so ein bisschen ... Sie haben das in einem Nebensatz gesagt.
00:29:43: Das ist diese Backsteinkirche im Prenzlauer Berg die früher Sammelpunkt der DDR-Oppositionellen war also ein symboldrächtiger Ort des gewaltfreien Widerstands gegen das SID.
00:29:56: Ja
00:29:57: aber deswegen nicht.
00:29:58: Die Evangelische Kirche Prenzelauer Bergmaß, die gemacht haben drei Kirchen oder so und das ist eine davon Und ja, da fühle ich mich schon verbunden.
00:30:05: Weil so rum wurde auch getauft und das ist dann schon irgendwie nicht schlecht.
00:30:10: Also ich habe nur das Gefühl... Ich weiß noch, als ich als Kind in den Sechzig- oder Siebzigerjahren auch das hatte ich das Gefühl, dass es noch mehr Gemeindearbeit für Kinder gab.
00:30:24: Also ist noch mehr Kinder auch in so eine Gemeinde sozusagen integriert wurden und da auch Angebote hatten und so.
00:30:31: Aber echt!
00:30:32: Es kann auch sein, dass ich muss einfach keine Ahnung habe weil ich ignorante in der Nähe wohne und das nicht richtig mitkriege und das Gemeindeblatt nicht lese was wiederum logisch ist wenn ich da auch kein Mitglied bin.
00:30:43: Was ist denn Ihre Lieblingsgeschichte aus der Bibel?
00:30:46: Schwer zu sagen.
00:30:47: Das ist ja eher so ein Predigting, nicht das man sich nicht in Stelle sucht und dann daraus auch was... So bin ich eigentlich da nicht.
00:30:53: aber was ich gern gelesen habe auch sehr spiel eigentlich es ist die Apostelgeschichte, die ich sehr interessant finde also wie man sozusagen mit der Situation umgegangen ist.
00:31:03: Dass man so eine Religion nicht begründet hat, offene Weise oder erneuert das also gesehen als eine Erneuerung und wie man damit umbegangen ist.
00:31:10: bleibt man im jüdischen Kreis unterwegs öffnet man das nach draußen die Ausgestaltung des heidigen Geistes das reden den Zungen aber dass es eher so aus dem ist ...detisch oder so ein Romanleser-Standpunkt ausgesehen.
00:31:24: Das hat also jetzt keine große Theologische Bedeutung oder so.
00:31:28: Es gibt allerdings auch, muss ich sagen von Anthony Burgess... ...der ja als englischer Autor ist.
00:31:34: er, glaube ich wegen seiner Frau zum Katholizismus übergetreten und war da aber doch sehr irgendwie offensichtlich auch sehr aktiv, so geistig aktiv unterwegs.
00:31:44: Er hatte dieses Buch geschrieben Kingdom of the Wicked.
00:31:46: Ich glaube das heißt, ich weiß nicht wie es auf Deutsch heißt Und das ist am Grunde genommen so eine, so eine weltsart dicke Umschreibung der Apostelgeschichte.
00:31:55: Das ist nicht schlecht gemacht
00:31:56: von.
00:31:58: Sie erreicht erisch allerdings auch.
00:32:00: Aber es ist auch Anthony Burges.
00:32:01: Er hat auch Clockwork Orange zum Beispiel geschrieben.
00:32:05: Die Apostel Geschichte also die Geschichte über die Entstehungen und Ausbreitung der frühen Kirche?
00:32:10: Was hat sie uns heute zu sagen, Herr Bischof?
00:32:13: Was hatte sie uns zu sagen?
00:32:14: genau die Themen, die Herr Regen auch angesprochen hat.
00:32:15: Die Frage ist inwieweit braucht es eine Identität einer Gruppe, aber das wird auch mit Konflikten gelöst oder eben auch manchmal nicht gelöst.
00:32:24: Aber auch wie weit geht man nach außen?
00:32:26: Wenn ich ein Missionsauftrag habe gehe ich auch nach Außen.
00:32:29: dann auch eine Frage inwieweit kann ich wertschätzen was andere Glauben, also da gibt es die berühmte Stelle auf dem Ariopak in Natin mit Paulus wo er sagt.
00:32:37: Also ich sehe ihr seid fromme Leute und da steht irgendwas von einem unbekannten Gott.
00:32:41: und von diesem unbekanntem Gott will ich euch erzählen und dann sind sie erstmal ganz begeistert dass er zur Auferstehung kommt wollen Sie ihn erst mal nicht mehr hören?
00:32:48: das war Ihnen wahrscheinlich zu konkret aber so auch dieses Bemühen auch wahrzunehmen.
00:32:53: was ist eigentlich die Umwelt in der Ich mich bewege?
00:32:55: Das ist eine Welt und das zeichnet den Apostel Paulus ja auch in seinen Briefen aus eine Art zu glauben, eine Art das Christentum zu vertreten die sehr fähig ist sich auch auf Umwelt und Menschen einzustellen.
00:33:09: Und deren Werte und deren Lebenshaltungen auch wenn nicht alles für gut befunden wird natürlich.
00:33:15: aber man geht ins Gespräch und ich glaube dass es eigentlich etwas was noch für diese Apostelgeschichte lernen kann Auch ein bisschen ohne Rücksicht auf Verluste denn die bringen ja auch ihre Opfer an.
00:33:24: am Ende Sie haben ja sogar eine ganz persönliche Verbindung zu Apostelgeschichte.
00:33:29: Gut,
00:33:29: ich habe meinen Primitspruch damals der ist genau aus dieser Szene.
00:33:33: also als ich zum Priester gearbeitet wurde sollte man sich auch so ein Art Lieblingsspruch nehmen dann hab' ich den aus der Apostel Geschichte aus dem siebzehnten Kapitel genommen wo Paulus da eben den Leuten predigt und sagt in ihm leben wir bewegen wir uns sind wir und er greift damit einen Satz aus der damaligen Philosophie des Doar auf um Und schafft da so eine Art Brücke zwischen seinen Zuhörern, die ja mit Christentum und auch Judentum zum großen Teil nicht zu tun hatten.
00:34:01: Aber dass es Anknüpfungspunkte gibt in deren Philosophie, in dem was diesen Menschen wichtig ist.
00:34:07: Ich fand diese Stelle immer faszinierend weil das mir damals schon klar wurde.
00:34:10: ich bin halt Pastoraltheologe auch und habe auch in der Kirchengeschichte einiges gemacht Mir damals schon Klar wurde Das In einer reinen Abgrenzung gegenüber einer kirchenfeindlichen oder religionsfeindlichem Umwelt der Kirchenauftrag nicht bestehen kann, sondern man muss schon Brücken versuchen zu bauen und letztlich auch dieses gegenseitige Lernen.
00:34:31: Ich lerne von den Menschen meiner Zeit, auch von denen die nicht glauben.
00:34:35: aber ich versuche auch von mir aus Brücken zu bauen um davon zu erzählen was mir wichtig ist.
00:34:40: Ja, die Bibel hat natürlich in jedem Gottesdienst ihren Platz.
00:34:44: Was sagen Sie dazu Sven Regner?
00:34:47: Dass Lieder von Element of Crime in Jugendgottesdiensten zum Beispiel gespielt werden!
00:34:54: Ich finde das gut.
00:34:55: Jeder soll sie singen können, also so wie man umbekehrt das eben bei der Apostelstätte diese Religion sagen kann.
00:35:00: Wenn wir uns auch flexibel sein... Das ist für jeden da!
00:35:03: Jeder kann mitmachen.
00:35:04: Das ist in der Kunst auch so.
00:35:06: Jeder kann damit machen.
00:35:08: Es hat natürlich viel auch mit christlichen Pfadfindern zu tun.
00:35:11: Wir haben einige Lieder die sehr gut am Lagerfeuer offensichtlich funktionieren.
00:35:15: Jedenfalls gibt es einige sehr viele Pfadfinder-Liederbücher, in denen unsere Songs drin sind namendlich zwei.
00:35:22: Am Ende denke ich immer nur an dich Auch aber vor allem... Ein Lied namens ein Hotdog unten am Hafen und das andere heißt an Land.
00:35:30: Die ist aus irgendeinem Grund, fahren die Pfadfinder vorderauf habe ich weiß es vor allen Dingen auch deshalb.
00:35:34: erstens weil sie immer angefragt werden für diese diese Pfadfinder-Liederbücher.
00:35:39: Und zum anderen war wir mal auf so einem bundesweiten Pfadfindertreffen eingeladen waren zu spielen.
00:35:44: also nächsten wollen uns dann nicht nehmen.
00:35:45: Und als wir diese Lieder spielten flogen alle Löcher aus dem Käse.
00:35:48: man kann sich das nicht vorstellen.
00:35:50: Ich hab neulich zur Abschreckung und Einstimmung eine alte Aufnahme YouTube gesehen, wo Oskar Neger Humber-Humba-Humber-Täterär singt irgendwie bei Meinzer Karneval.
00:36:03: Ernst-Negger?
00:36:03: Genau.
00:36:04: Und die alle völlig ausflippen und das weiter sagen und überhaupt nicht mehr aufhören wollen.
00:36:09: so ein bisschen war das mit an Land bei diesem Fahrschirm des Reifenjahrs.
00:36:13: Und das fand ich irgendwie, dass war ganz rührend.
00:36:15: Weil wir hätten das nie gedacht, warum gerade dieses Lied, warum das, warum bei denen?
00:36:19: was ist los?
00:36:20: Aber haben wir es auch nicht aufklären können.
00:36:22: und das ist eben, was ich auch sage!
00:36:23: Ich will's doch gar nicht wissen.
00:36:24: Ich freu mich einfach nur, dass es so is'.
00:36:27: Ja, ich hab da keinen Dünkel oder so...
00:36:30: Vielen herzlichen Dank, Sven Regner für das Gespräch.
00:36:33: Danke für die Einladung, sehr stark!
00:36:35: Auch von mir und danke auch an Frau Schneider vielen Dank.
00:36:38: Ja, danke Ihnen auch hier auf jeden Fall.
00:36:39: Vielen Dank Ihnen Bischof Peter Kohlgraf und einen herzliche Dank allen fürs Zuhören, fürs Abonnieren unseres Podcasts, fürs Weiterempfehlen des Podcasts Lebensfragen.
00:36:50: Mitte November kommt die neue Folge raus.
00:36:52: bis dahin eine gute Zeit.
00:36:55: Das war lebensfragen Menschen im Gespräch mit Bischof Peter Kohlgraf und Anja Schneider.
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